Ausgezeichnet für Armutsbekämpfung
Das Jahr 2005 hatte die UNO zum Jahr der Mikrokredite erklärt. Im Jahr 2006 geht der Friedensnobelpreis an den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Muhammad Yunus und seine ‚Grameen-Bank’, für sein Konzept der Mikrofinanzierung in Bangladesh. Begründung aus Oslo: Die Armutsbekämpfung gehöre zu den wichtigsten Aufgaben der Menschheit. Das Projekt von Yunus stehe für die erfolgreichen Bemühungen zur Erzeugung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten. Yunus begann 1974 mit der Entwicklung und Umsetzung seiner Methode, hat sie weiterentwickelt, wirksam und sogar profitabel gemacht.
Das Konzept Vertrauen zu schenken, Geld aber ‚nur’ zu leihen geht auf.
‚Armen’ Menschen Kredite zu geben, damit sie selbst ein Einkommen erwirtschaften können, hat sich mehr als bewährt: 100 Millionen der ärmsten Familien wurden bis 2005 weltweit mit Kleinstkrediten versorgt. Sie haben sich dank seiner beispielgebenden Initiative den Weg aus der Armut gebahnt, nicht durch Spenden finanziert, sondern aus eigener Kraft, mit einem Darlehen, das sie samt Zinsen zurückgezahlt haben. Oftmals reichte bereits eine Summe von 20 Euro, um ein Kleinstgewerbe zu starten.
Frauen als Entwicklungsmotoren oder 'wie Selbstbewußtsein wächst'
Wie bei Yunus profitieren Menschen und insbesondere Frauen, die im herkömmlichen Sinn als ‚nicht bankfähig’ gelten. Sei es, weil sie keine Sicherheiten bieten können oder nicht lesen und schreiben können, sei es, weil die benötigte Kreditsumme für die Banken unrentabel ist. Yunus weiß: „Die Frauen holen nachweislich einfach mehr heraus aus ihrem Darlehen, weil sie es gewohnt sind, mit knappen Ressourcen umzugehen.“ Auch zeigt die Erfahrung, dass Frauen ihre Schulden zuverlässiger zurückzahlen. Das Konzept der ‚Grameen-Bank’ beruht auf der gegenseitigen Bürgschaft einer Kleingruppe. Jedes Mitglied erhält im Wechsel Kredit, wenn die Vorgängerin zurückgezahlt hat. Die Mischung aus Vertrauen, Betreuung durch die Bank und sozialer Kontrolle durch die Gruppe erweist sich als äußerst effektiv: Aller Skepsis zum Trotz tilgen diese KundInnen ihre Kredite und Zinsen zuverlässig; und das, obwohl sie in schwierigen, instabilen Regionen leben. So manche herkömmliche Bank mit gutverdienenden Kunden kann von diesen Rückzahlungsquoten nur träumen: gut 90 % der Ausstände sind in den vergangenen 30 Jahren zurückgezahlt worden.
Erfolg macht Schule - Schule bringt Zukunft
Die Nähe zum Kunden ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Konzeptes. So kann das Risiko des Verlustes für die Bank oder der Verschuldung der Kreditnehmer, durch gewissenhafte Einschätzung der Eignung der KundInnen und ihrer Unternehmensidee sehr gering gehalten werden. Der Erfolg spricht sich herum. Und so beginnt auch die klassische Finanzwelt sich für diese Klientel zu interessieren. Die langjährige Erfahrung in diesem Sektor und der soziale Anspruch weisen jedoch die Pioniere als die Experten aus. Entscheidend für die Entwicklungsförderung ist auch, dass über Banken wie die ‚Grameen Bank’ weitere Produkte an die vom Finanzsektor weitgehend ausgeschlossenen ‚Armen’ angeboten werden. Denn Sparen und Versichern sind weitere Bausteine einer gesicherten Zukunft.
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Friendennobelpreisträger Prof. Muhammad Yunus Kirchentag in Köln 2007
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